Jedes Jahr zeichnet der Baselbieter Heimatschutz ein Bauprojekt oder eine gelungene Planung mit einer Prämierung aus. Damit würdigt er Bauherrschaften, Gemeinden und Planungsbüros für gute, umsichtige Arbeit und auch dafür, dass sie von «durchgreifenden» Lösungen abgesehen haben. Der Preis soll als Motivation dienen, weiterhin mit Achtsamkeit vorzugehen. Die Öffentlichkeit will der Heimatschutzpreis sensibilisieren – für einen differenzierten Umgang mit dem Vorhandenen und dem zu Planenden, mit Vergangenheit und Zukunft.

2020

Aussenraumgestaltung Kirchgarten Laufen

Der Baselbieter Heimatschutz zeichnete die römisch-katholische Kirchgemeinde Laufen am Mittwoch, 21. Oktober 2020 für die Aussenraumgestaltung der Überbauung Kirchgarten durch META Landschaftsarchitektur, Basel aus. Er würdigt insbesondere, dass mit einfachen Mitteln eine hohe Differenziertheit der Gestaltung des Aussenraumes gelungen ist; ein Wegnetz die neue Siedlung mit dem bestehenden Siedlungsraum verbindet und die altehrwürdige Linde als Element der Identifizierung und Orientierung erhalten und in die neue Überbauung einbezogen worden ist.

Wohnüberbauung Kirchgarten Laufen
Wohnüberbauung Kirchgarten Laufen. Foto: ZVG

2019

Reformiertes Kirchgemeindezentrum Reinach

Der Baselbieter Heimatschutz zeichnete die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Reinach am Freitag, 18. Oktober 2019 für die Neugestaltung des Mischeli-Areals aus. Er würdigt damit das Zusammenspiel von Architektur und Umgebungsgestaltung bei der Neugestaltung des Areals um die Mischeli-Kirche in Reinach. Zusammen mit den kommerziellen Nutzungen des Mischeli Shopping Centers ist ein Quartierzentrum mit Ausstrahlung und Identität entstanden.

Dorothee Huber hielt in ihrer Laudatio fest, dass «es im Zusammenhang mit den jüngsten Wakker-Preisen an vorbildliche Planungen in bislang kaum beachteten Agglomerationsgemeinden nur konsequent sei, wenn der Baselbieter Heimatschutz sein Augenmerk auf Anstrengungen richte, zentrale Orte im vielfach als ungestalt empfundenen Siedlungsraum ausserhalb der alten Kerne zu stärken. In Reinach habe die Reformierten Kirche den Anstoss gegeben für ein neues Verständnis eines gegebenen Kirchgemeindezentrums. Mit ihrem neuen Gemeindezentrum und der Ermöglichung von zwei Bauten mit Wohnungen für ältere Menschen durch die Genossenschaft Aumatt hat sie die Gelegenheit wahrgenommen, einen etwas in die Jahre gekommenen zentralen Ort zu einem neu anziehenden und belebten Ort zu machen.»

Kirchgemeinde Reinach, Mischeli-Areal
Foto: Tom Bisig
Kirchgemeinde Reinach, Mischeli-Areal
Foto: Tom Bisig

2018

Verein Baselbieter Feldscheunen

Die Feldscheunen prägen die Baselbieter Landschaft in besonderem Mass. Sie sind Zeugen einer vergangenen Baukultur und von landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen, die noch weitgehend auf die lokal vorhandenen Mittel angewiesen waren und ohne Motorisierung auskommen mussten. Aus Stein oder Holz, mit der für sie charakteristischen Dachneigung, sind sie eine Besonderheit des Baselbiets. Sie verleihen der hiesigen Kulturlandschaft ihre Eigenart.

Mit seinem Einsatz für die Erhaltung der Feldscheunen oder Heuschürli trägt der Verein «Baselbieter Feldscheunen» entscheidend dazu bei, die Einmaligkeit der Baselbieter Kulturlandschaft zu erhalten. Auch unterstützt der Verein die Eigentümerinnen und Eigentümer mit beratender Hilfe und Mitarbeit bei ihren Bestrebungen, diese landwirtschaftlichen Kleinbauten zu erhalten. Mit seiner Tätigkeit fördert er auch das Verständnis der Öffentlichkeit für die Bedeutung der Feldscheunen und der Kulturlandschaft.

Im Europäischen Kulturerbejahr zeichnete der Baselbieter Heimatschutz den Verein «Baselbieter Feldscheunen» dafür aus, dass er mit seinem ideellen und handwerklich tätigen Einsatz die Baselbieter Feldscheunen als einmaliges Kulturerbe des Kantons erhält.

Verein Baselbieter Feldscheunen – Hornet Bennwil
Instandsetzung Dach der Feldscheune Hornet in Bennwil. Foto: Verein Baselbieter Feldscheunen
Verein Baselbieter Feldscheunen – Chürzi Eptingen
Sanierung der Feldscheune Chürzi in Eptingen. Foto: Verein Baselbieter Feldscheunen

2017

Kulturhotel Guggenheim Liestal

Der Baselbieter Heimatschutz setzt sich dafür ein, dass die Ortskerne lebendig bleiben – und dass sie es wieder werden, wo sie es nicht mehr sind. Es ist eine Tatsache, dass die blosse Jagd nach Rendite selten zur Belebung eines Ortes führt, weder architektonisch, noch kulturell oder sozial. Zweifellos muss sich der finanzielle Aufwand rechnen, aber dies darf nicht dazu führen, dass zerstört wird, was am Ort liebens- und lebenswert ist. Sonst wird der private Gewinn zum öffentlichen Verlust. Der Heimatschutz erachtet es deshalb als Glücksfall, dass das «Guggenheim» als Erinnerungsort an ein ehemaliges Gewerbe erhalten worden ist, das tief in die Geschichte des ehemaligen Landstädtchens eingeschrieben ist. Durch die persönliche Vision und das Engagement von Yvonne und Eric Rütsche und das architektonische Geschick von Sibylle Hartmann trägt dieser Ort heute viel zur kulturellen Ausstrahlung von Liestal bei. «Ich empfinde das ‚Guggenheim‘ für Liestal rundum als eine grosse Bereicherung», meinte der Stadtpräsident kürzlich gegenüber der BZ. Mit seiner Auszeichnung möchte der Heimatschutz dazu beitragen, dass die Initiative von Familie Rütsche und Sibylle Hartmann auf weitere Orte im Stedtli und im Kanton ausstrahlen möge.

Hotel Guggenheim aussen
Kulturhotel Guggenheim, Liestal. Foto:
Hotel Guggenheim Zimmer Eiche
Zimmer Eiche im Hotel Guggenheim

2016

Siedlung Im Lee Arlesheim

Nach einer Karenzfrist von nahezu 50 Jahren hat die Siedlung im Lee den Test der Zeit bestanden und bewiesen, dass sie heute noch erhöhten architektonischen und städtebaulichen Kriterien genügt. Insbesondere im schonungsvollen und doch grosszügigen Umgang mit dem beschränkten Gut des Bodens ist die Siedlung noch heute beispielhaft. Nach einem halben Jahrhundert befindet sich die Siedlung nun in einer Phase, in der Veränderungen und Erneuerungen anstehen oder bereits vorgenommen worden sind: Renovationen, Anpassungen an neue Bedürfnisse und nicht zuletzt an energetische Standards.

Die Eigentümerschaft, die Gemeinde Arlesheim und der Kanton haben sich dieser Herausforderung gestellt: Die Kantonale Denkmalpflege beauftragte das Basler Architekturbüro Miller & Maranta, einen Leitfaden zum denkmalpflegerischen Umgang bei Sanierungen und Weiterentwicklungen von Gebäuden und Landschaftsarchitektur zu erstellen. Die Gemeinde und ein Planungsbüro haben diesen Leitfaden in Teilzonenvorschriften mit Schutzbestimmungen übersetzt. Die Bewohnerinnen und Bewohner stehen hinter diesem Entwurf. Er ermöglicht den Eigentümern neben dem respektvollen Umgang und dem pflegerischen Erhalt des Siedlungscharakters, ihre Bauten nach moderner Bautechnik zu sanieren sowie alternative Energienutzungen umzusetzen. 

Die Gemeinde plant die Teilzonenvorschriften im Herbst 2016 der Bevölkerung zur öffentlichen Mitwirkung zu unterbreiten um diese dann der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vorlegen zu können.

Im «Gartenjahr 2016» des Schweizer Heimatschutzes gilt die Prämierung durch den Baselbieter Heimatschutz den Bemühungen der Bewohner- und Eigentümerschaft um die gemeinsame, nachhaltige Sicherung der Qualität der Siedlung Im Lee und ihrer Umgebungsgestaltung.

Siedlung Im Lee
Foto: Hansjörg Stalder
Siedlung Im Lee
Foto: Hansjörg Stalder

2015

Sundgauerhof Arlesheim

Der Sundgauerhof in Arlesheim belegt die Ausdehnung des historischen Ortskern in nordwestlicher Richtung. Das nachgotische Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert zeugt mit einem saalartigen Raum mit bemalter Balkendecke im Obergeschoss von einem Erbauer aus der dörflichen Oberschicht wohl aus dem Umfeld des damals zugezogenen Domkapitels. Es steht giebelständig an der Strasse und bildet mit der parallel dazu errichteten Stallscheune einen ebenso markanten wie malerischen Blickfang.

Durch Vermittlung des Baselbieter Heimatschutzes gelang es, die Bauherrschaft zum Verzicht auf volumetrisch markante Dachaufbauten zu bewegen und bei der Neunutzung der Scheune auf eine diskretere Gestaltung der Fenster- und Türöffnungen hinzuwirken. Die neue gemischte Nutzung von Gewerbe und Wohnen ist sinnvoll und dem Gebäude verträglich angemessen. Die historisch wertvolle Substanz wurde schonend und respektvoll behandelt und insbesondere die bemalte Balkendecke im Obergeschoss wieder zur Wirkung gebracht. Andererseits wurden auch die gestalterischen Freiheiten genutzt, die vor allem in der Scheune gegeben waren. Der Baselbieter Heimatschutz zeichnete unter Motto 2015, «Transformation» nicht eine Restaurierung als solche aus, sondern eine sinnvolle Um- und Neunutzung im Bestand, die dem Gebäude nicht mehr zumutet, als es erfüllen kann, und respektvoll mit seiner Substanz umgeht.

Interview mit Florian Rauch, Architekt des Umbaus

Renovieren – restaurieren – weiterbauen an einem denkmalgeschützten Gebäude

Ein Gespräch zwischen Hansjörg Stalder (Baselbieter Heimatschutz) und Florian Rauch (Architekt) über den Umbau am Sundgauerhof in Arlesheim

Herr Rauch, Sie betitelten die Renovation mit «Weiterbauen am Sundgauerhof». Weshalb «Weiterbauen» und nicht «Renovation» oder «Restaurieren»?

Bei einer reinen Restaurierung wird unter Beibehaltung von möglichst viel vorgefundener Substanz vorsichtig repariert und aufgefrischt. Diese Haltung sowie der Respekt vor dem Vorgefundenen war auch beim Sundgauerhof der konzeptionelle Leitfaden. Darüber hinaus beinhaltet die Tätigkeit des «Weiterbauens» die Aspekte «Anknüpfen und Weiterentwickeln», und zwar auf eine selbstverständliche Art und Weise.

Das Gehöft hat im Laufe seiner Geschichte bereits sieben grössere bauliche Umgestaltungen erfahren. Grund dafür war nicht nur reiner Bauunterhalt, sondern grundlegende Nutzungsänderungen. Die Folge der Umbauten war jeweils eine Aufwertung und dadurch ein Weitergebrauch der Bausubstanz. Auf diese Art und Weise ist die Baustruktur bis in unsere Gegenwart gelangt. Wieso also nicht in der gleichen Selbstverständlichkeit «Weiterbauen», um neue Nutzungen zu ermöglichen, um einen Fortbestand dieser stark identitätsstiftenden Baugruppe zu gewährleisten?

Das überlieferte Denkmal Sundgauerhof ist die Summe aller Veränderungen. Das Wesen dieser Baustruktur ist also, dass man daran weiterbaut.
Wären Häuser Lebewesen, so würde man hier von einer «artgerechten Haltung» sprechen. Ein japanisches Sprichtwort sagt sinngemäss: «Tradition bedeutet nicht, die Asche aufzubewahren, sondern das Feuer am brennen zu halten».

 

Der Respekt vor der Geschichte und der Bausubstanz eines denkmalgeschützten Gebäudes steht in einem Spannungsfeld zu einer Neunutzung. Die Bäckerei mit Café, eine Maisonette-Wohnung gehobenen Standards und ein Fitness-Atelier haben alle wenig gemeinsam mit der Geschichte des Bauernhofs. Welche Überlegungen oder Sachzwänge führten zu dieser Lösung? 

Tatsächlich machen unsere heutigen Ansprüche an Haustechnik, Wärmeschutz und Bauphysik einen solchen Umbau zu einer hochkomplexen Aufgabe mit hohem Aufwand in der Planung und Umsetzung.

Was wäre aber die Alternative? Natürlich ist es besser, wenn eine Scheune unbeheizt bleiben kann. An dieser prominenten Zentrums-Lage ist dies ein wünschenswertes, aber kein realistisches Szenario. Ganz nüchtern betrachtet ist der Ertragswert einer solchen denkmalgeschützten Immobilie geringer, als wenn das Grundstück mit einer im Zentrum üblichen Ausnutzung neu bebaut werden könnte. Als Glücksfall muss also gesehen werden, dass die Bauherrschaft das Denkmal Sundgauerhof mit seinem Potential und den Möglichkeiten einer Weiternutzung sehr hoch bewertet hat. Hat man sich für ein solches Konzept entschieden, ist die entscheidende Frage nicht, ob, sondern in welcher Art und Weise und mit welcher Sorgfalt solche Umnutzungs- und Weiterbau-Eingriffe vonstatten gehen. Das wiederum hat die Arbeit am Sundgauerhof so spannend gemacht. Im Übrigen sind die heutigen Nutzungen keineswegs unpassend.

Die horizontal geteilte Gebäudestruktur im Wohnhaus und das Ein-Raum-Kontinuum in der Scheune konnten beibehalten werden. Darüber hinaus ist wieder ein Nutzungsmix entstanden, wie er mit Wohnhaus, Schreinerei und Lager vor der Umgestaltung auch schon in anderer Form existiert hat.

 

Der Substanzschutz steht oft nicht in einem ganz einfachen Verhältnis zu einer umweltgerechten energetischen Sanierung. Wie haben Sie diesen Spagat geschafft?

Da auch die benachbarten Liegenschaften im Besitz der Bauherrschaft stehen, konnte ein kleines Erdnahwärmenetz gebaut werden. Die Erdwärme ist ein regenerativer Energieträger, deshalb konnte bei der Brauchwassererwärmung auf eine Dach-Solaranlage verzichtet werden.

Im Bereich der Bodenaufbauten gegen Erdreich und Keller konnten die geltenden gesetzlichen Vorschriften ohne Probleme erfüllt werden. Ebenso bei den neuen Fenstern, Türen und beim Scheunenwindfang. Die bestehenden historischen Fenster des Wohnhauses wurden durch ein im Ladenfalz angeordnetes Vorfenster thermisch verbessert. Bei den Dächern von Wohnhaus und Scheune wurde eine denkmalpflegerisch verträgliche Lösung mit minimalem Dachaufbau bei möglichst hoher Dämmwirkung gesucht. Um dem Wunsch des Amtes für Umwelt und Energie nach möglichst hoher Energieeffizienz nachzukommen, wurden die Giebelwände des Wohnhauses im Dachgeschoss sowie die Aussenwände der Scheune thermisch verbessert, jeweils abgestimmt auf die spezifische Bausituation. Das Gebäude ist im Bezug auf seinen Energieverbrauch zwar nicht Label-zertifiziert, aber es konnten sehr gute Werte erreicht werden. Das liegt natürlich auch an der kompakten Bauweise, die die Kubaturen mitgebracht haben.

Buch

Der Sundgauerhof Arlesheim
400 Jahre Ortsgeschichte aus der Perspektive eines Gebäudes

Von Jürg Seiberth und Heinz Burgener (Hrsg.)

Sundgauerhof Arlesheim
Foto: Roland Zumbühl
Sundgauerhof Arlesheim
Foto: Roland Zumbühl

Weitere Prämierungen

2014: Sekundarschulanlage Spiegelfeld in Binningen

Die Sanierung von in die Jahre gekommenen Schulanlagen, meist aus den 1960er Jahren, stellt eine besondere Herausforderung an die Architekten dar. Die heute erhöhten energetischen und technischen Anforderungen sowie die geänderten Unterrichtsformen stellen die bestehenden Typologien und deren Erhalt oft in Frage. Dabei sind doch gerade diese Anlagen Zeitzeugen der Bauaufgabe Schulbau. Die Schulanlage Spiegelfeld in Binningen verdient in diesem Zusammenhang ein spezielles Augenmerk. Das erste, 1962 in Betrieb genommene Gebäude von Georges und Mirjam Kinzel wurde 1965, im Zuge der notwendigen Integration des Progymnasiums, um den Trakt Nord von Max Rasser und Tibère Vadi erweitert. Der prägnante Betonbau mit seiner gerasterten Fassade bildete den neuen Mittelpunkt der Schulanlage. Mit der präzisen Setzung des Volumens konnten die bereits bestehenden topographischen Bedingungen weiter unterstrichen, sowie die rechtwinklige Anordnung der bestehenden Schultrakte weitergeführt werden. Die wiederum konsequente Aussenraumgestaltung, in der die Pausenanlagen auf verschiedene Terrassen zu liegen kommen, eröffnen vielfältige Wegführungen und erlauben spannende Durchblicke. In derselben Formensprache gelang es, die in der ersten Etappe der Komplettsanierung ausgeführte, behindertengerechte Erschliessung ideal in die bestehenden Strukturen einzupassen. 

Bereits 2002 wurde der Trakt Nord in das Bauinventar des Kantons Basel-Landschaft als kantonal zu schützendes Objekt aufgenommen. Die Grundrissgliederung, mit ihrem auf 4×4 Quadraten aufbauenden Raster, besticht heute durch ihre hohe Flexibilität, welche auf Rasser und Vadis Weitsicht beruht. Mit der Sanierung können die Ansprüche an einen zeitgemässen und modernen Schulraum bestens erfüllt werden. Die Instandstellung der Fassade führt das Gebäude zum ursprünglich sorgfältig geplanten architektonischen Ausdruck zurück, ohne die heutigen energetischen Anforderungen zu missachten. Mit der Sanierung des Traktes Nord und der Aula, der ersten Etappe der Komplettsanierung, gelingt es dem Hochbauamt Baselland als Bauherr und den Architekten Vischer AG Architekten + Planer in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege einen Zeitzeugen zu erhalten. Sie leisten dadurch einen wertvollen Beitrag zum Erhalt charakteristischer Bausubstanz.

In diesem Sinne zeichnete der Baselbieter Heimatschutz die Sekundarschule Spiegelfeld als vorbildliche Leistung im Umgang mit werthaltiger Architektur aus.

Download

Baudokumentation der Sanierungsarbeiten
Hochbauamt Basel-Landschaft

2011: Eisenbahnlinie Sissach – Läufelfingen – Olten

Die Prämierung gilt der Erhaltung der Eisenbahnlinie, die einst das Herzstück des schweizerischen Eisenbahnnetzes und ein Pionierwerk des europäischen Eisenbahnbaus darstellte, durch die SBB und den Kanton, sowie der Bemühung um eine substanzerhaltende Renovation der prägenden Bauten, der Bahnhöfe und Kunstbauten, und damit dem Engagement der Denkmalpflege der SBB für die Erhaltung einer einmaligen, durch die Eisenbahn geprägten Kulturlandschaft.

Was heute liebevoll «Läufelfingerli» oder fahrplantechnisch korrekt «S9» genannt wird, bedeutete zur Zeit des Baus eine epochale ingenieurtechnische Herausforderung. Ein schweizerisches Eisenbahnnetz, das den Anschluss an die französische Linie, die seit 1844 in Basel endete, und an die grossherzogliche badische Bahn, die Basel 1852 erreichte, finden sollte, musste die Jurakette überwinden. Nachdem die englischen Eisenbahnpioniere Swinburne und Stephenson im Auftrag des Bundesrates Olten zum zukünftigen Eisenbahnknotenpunkt südlich der Jurakette erklärt hatten, wurde das Homburgertal und der Untere Hauenstein, bereits eine der alten Römerstrassen von Norden nach Süden, für die Linienführung zwischen Basel – Liestal und Olten bestimmt. 1858 wurde die Strecke Sissach – Olten eingeweiht. Nach der Semmeringbahn im kaiserlichen Österreich und der Alten Giovi-Linie zwischen Genua und Turin war die Hauensteinlinie die dritte eigentliche Gebirgsbahn in Europa. Der Scheiteltunnel war mit seinen zweieinhalb Kilometern Länge einer der längsten der Welt. Der Viadukt von Rümlingen ist zweifellos der architektonische Höhepunkt der Strecke. Er dominiert den kleinen mittelalterlichen Dorfkern mit dem einmaligen Ensemble von Kirche und Zehntenspeicher und man ist versucht, das Meisterwerk unter den Eisenbahnbauten des 19. Jahrhunderts auf eine ähnliche Stufe zu stellen mit einem der Meisterwerke unter den Sakralbauten des Mittelalters.

2009: Freidorf Muttenz

Das Freidorf mit Genossenschaftshaus entstand 1920–1924 nach Entwürfen des Architekten Hannes Meyer (*1889 †1954) und seines Mitarbeiters Architekt Rudolf Christ (*1895 †1975). Wir können feststellen, dass schon während der Planung der Heimatschutz diese wegweisende Siedlungsidee beachtete! In der Zeitschrift «Heimatschutz» 1919, Nr. 5 findet sich der Aufsatz «Neue Siedlungen». Es wurde die «Vogelschauzeichnung» des Freidorfes als Beispiel eines grosszügigen und rationellen Bebauungsvorschlages hervorgehoben.

2008: Sanierung Realschule Aesch

Nach einem Wettbewerb 1958 wurde die Realschule Aesch (BL) 1960 – 1962 von den Architekten Walter M. Förderer, Rolf G. Otto und Hans Zwimpfer erbaut. Sie gehört zu den wegweisenden Leistungen der Architektur des 20. Jahrhunderts. Die vor rund 10 Jahren durchgeführte Renovation erwies sich als besonders anspruchsvoll. Vor allem mussten neue und grundlegende Forderungen der Isolation erfüllt werden. Wie weit wurde dieser Zusammenhang der Eigenart der architektonischen Erscheinung erkannt? Wie gross war die Bereitschaft architektonische Details zu erhalten?

2007: Gemeinde Nenzlingen

Nenzlingen will seine Wohn- und Lebensqualität auch in Zukunft sichern. In den letzten Jahren entwickelte die Gemeinde verschiedene Strategien, um ihr Wachstum anzukurbeln und gleichzeitig einer Zersiedelung der umliegenden Landschaft vorzubeugen. Der Baselbieter Heimatschutz findet die nachhaltige Entwicklungsplanung vorbildlich und zeichnet die Gemeinde Nenzlingen mit seinem diesjährigen Heimatschutzpreis aus.

2006: Bauerngärten im Baselbiet

Das Gartenjahr 2006 ist für den Baselbieter Heimatschutz ein willkommener 
Anlass, mit seiner Auszeichnung, die er in diesem Jahr am 21. Oktober
vergibt, die Baselbieter Gartenkultur zu würdigen. Dabei sollen nicht die
 ohnehin reichlich bekannten und viel beachteten Grössen zum Zuge
kommen und für einmal auch nicht die erst in jüngster Zeit Neu
entstandenen. Unser Interesse richtet sich auf die Baselbieter Bauerngärten
 – auf einen Zweig der Gartenkultur, der auch in unserem Kanton eine lange
 Tradition besitzt, namentlich in Verbindung mit den stattlichen Herrenhöfen
der Stadtbasler Oberschicht.

2005: Neues Gemeindehaus Reinach

Das neue Gemeindezentrum gibt dem heute stark zersiedelten Ort einen Schwerpunkt und stiftet Identität. Ein repräsentativer Vorplatz führt zum Hauptgebäude, einem fein gestalteten Glasbau. Ein raffiniertes Gestaltungsmerkmal sind die geschosshohen Kippfenster, die dem Bau ein stimmungsvolles, schuppenartiges Aussehen verleihen.

Auftraggeberschaft: Gemeinde Reinach

Architekt: Morger & Degelo, Basel

2004: Villa Gelpke Waldenburg und Wirtshaus Rössli Oberdorf

Die Bauten sind Zeugen des industriellen Pioniergeistes und der vorindustriellen Bauernkultur im Waldenbuger Tal und werden für ihre originalgetreue Renovierung und Nutzung ausgezeichnet.

Auftraggeberschaft Villa Gelpke Waldenburg: Gedeon AG

Architekten: Steinmann und Rey, Oberdorf

Auftraggeberschaft und Architekten Wirtshaus Rössli Oberdorf: Heini Dalcher, Jakob Steinmann

2003: Römerstadt Augusta Raurica

Mit seiner diesjährigen Prämierung würdigt der Baselbieter Heimatschutz die wichtigste archäologische Stätte im Kanton Basel-Landschaft: die Römerstadt Augusta Raurica. Der Preis zeichnet das wegweisende Konzept der Römerstadt aus, das auf wissenschaftlicher Forschung, auf publikumsnaher Vermittlung sowie auf nachhaltiger Konservierung der europaweit einmaligen Anlage und ihrer Funde beruht.

2008: Schlachthaus Laufen

1997 erlebte der Bau des ehemaligen Schlachthauses seinen 100. Geburtstag. Es stand schlecht um diesen Jubilar - es drohte der Abbruch. Der Initiative des Heimatschutzes folgend, wurde im Frühling 1999 durch Othmar Birkner und Elisabeth Castellani-Zahir ein Gutachten zur Rettung dieses Baues ausgearbeitet. Dieses Gutachten verwies nicht nur auf die architektonische Bedeutung der neubarocken Dreiflügelanlage, sondern auch auf die wichtige städtebauliche Lage. Dieses Gutachten machte zudem auf neue Nutzungschancen aufmerksam. Der Baselbieter Heimatschutz gab hiermit den ersten Anstoss für die Rettung dieser einzigartigen Industrie-Architektur. Das mit der Gesamtplanung des Schlachthausareals beauftragte Team Jeker Blanckarts Architekten, Basel und Müller Bau AG, Laufen unter der Leitung von Heinz Jeker und Karl Hueber reagierte mit Sensibilität und Unternehmergeist. Die Stiftung «alts Schlachthuus» ermöglichte die Umsetzung der visionären Idee.
 Mit der Rettung und Neunutzung des ehemaligen Schlachthauses ist auch ein Planungsprozess für eine reizvolle städtebauliche Weiterentwicklung im Bereich des Birsufers östlich der Altstadt gegeben.

Auftraggeberschaft: Stiftung «alts Schlachthuus» 
Architekten: Jeker Blanckarts, Basel

2001: Kloster Schönthal mit Pächterhaus Langenbruck

Im Schönthal wurden die kulturellen Aktivtäten von John Schmid gewürdigt. Durch die sanfte Renovation der romanischen Klosteranlagen wurde das Schönthal zu einem besonderen Ort der Kulturschaffenden. Der in diesem Zusammenhang entstandene Neubau des Pächterhauses will sich dem historischen Klosterensemble nicht anbiedern. Er steht daher etwas abgerückt und kommuniziert mit den frei in der Landschaft verteilten künstlerischen Plastiken.

Auftraggeberschaft: John Schmid

Architekt: Martin Erny (Erny+Schneider), Basel 

2001: Anbau Gemeindeverwaltung Biel-Benken

Das bestehende Gemeindehaus mit Walmdach stammt aus dem 18. Jh. An dessen Rückseite fügt sich der eingeschossige, flach gedeckte Neubau mit einem Zwischengelenk (Seiteneingang) in axialer Ausrichtung an. Unter völligem Verzicht auf formale Zitate aus der historischen Bausubstanz gliedert sich der architektonisch eigenständige Neubau viel bescheidener ein, als er dies mit einer den ortsüblichen Vorschriften entsprechenden Dachkonstruktion getan hätte. Sie hätte nicht nur das Volumen vergrössert, sondern auch bei der Gelenksituation zwischen Alt und Neu Probleme gebracht. Bei der Prämierung wurde besonders die aufgeschlossene Haltung der Gemeinde hervorgehoben.

Auftraggeberschaft: Einwohnergemeinde Biel-Benken

Architekt: Jürg Berrel, Biel-Benken

1999: Strassenräume Oltingen

Das Oltinger Orts- und Strassenbild hat sich seit der frühen Neuzeit herausgebildet. Hausecken stehen noch kantig an ihrem angestammten Platz, Vorgärten wechseln mit Zufahrten und Parkplätzen, Mergel und Kies folgen auf Asphalt. Manchmal grenzt eine Grasfläche randsteinlos an die Strasse. Neues und Altes, Zufälliges und Geplantes fügen sich zu einem natürlich gewachsenen Ensemble.

1998: Bauten in Oberwil und Biel-Benken

Die äusserst sanfte und sehr sparsam vorgenommene Renovation des Oberwiler Taglöhnerhauses bewahrte dessen ursprüngliche Ausstrahlung vollumfänglich. Hier war das Bewahren von Erinnerungen oberstes Prinzip, sekundiert von einem konkret bemessenen Budget.

Auftraggeberschaft: M. Rohrer-Degen, Oberwil

Architekten: Rolf Furrer und François Fasnacht, Basel

 

In Biel-Benken wurden im oberen Teil der Scheune dem sanft renovierten Wohnhaus zusätzliche Wohnräume zugeordnet und dabei das Prinizip der Reversibilität mit dem "Haus im Haus" angewandt. Auch hier wurde die Konstruktion kaum angetastet, die Lichtführung ästhetisch hochstehend gelöst und der gewohnte, geschlossene Zustand der Scheune weitestgehend erhalten.

Auftraggeberschaft:
 Familie Jäggy-Koechlin, Biel-Benken

Architekten: Martin Erny und Karl Schneider, Basel

1997: Ortsplanung Itingen

Der Dorfkern von Itingen gehört zu den schönsten Ensembles im Kanton und ist von nationaler Bedeutung. Während die Behörden einen Zonenplan erarbeiteten, erkannten sie die Verzahnung von Landschaft und Siedlung und gaben die Siedlungsplanung in Auftrag. Es resultierte daraus ein Grünraumkonzept und ökologische Vernetzungen im Siedlungsraum. Ein Fusswegnetz, ein flächendeckendes Verkehrsberuhigungskonzept und die Bemühungen um Erhaltung und Weiterentwicklung des Dorfkerns unter teilweiser Freihaltung der Hofstattbereiche sind die wegweisenden Leistungen von Itingen.

Auftraggeberschaft:
 Einwohnergemeinde Itingen

Planer: Stierli+Ruggli Ingenieure und Raumplaner, Lausen; 
Holzemer Raumplanung, Bottmingen

1996: Wohnsiedlung Zwingen

Durch das Ergänzen und Einordnen neuer qualitätvoller Bauten in das bestehende Reihenhausquartier erreichte die Siedlung eine eigene Identität. Es entstand eine gelungene, harmonische Verbindung von alten und neuen Bauten, welche auch sichtlich die Wohnqualität förderte.

Auftraggeberschaft:
 Einwohnergemeinde Zwingen

Architekt: Michael Alder, Basel

1995: Untere Fabrik Sissach

Mit der Unteren und der Oberen Fabrik kam die Industrie nach Sissach. Die beiden für die industrielle Bandweberei typischen Bauten bilden einen markanten Akzent am nördlichen Dorfrand. Die 1859 erbaute Untere Fabrik sollte der geplanten Umfahrung Sissachs weichen. Dank dem unermüdlichen Einsatz von Robert Häfelfinger wurde der geplante Tunnel verschoben, womit der dem Kanton Baselland gehörende Hauptbau gerettet wurde. Seit 1994 vermietet, dient das Haus nun kulturellen Anlässen.

Architekt: Robert Häfelfinger, Sissach

1994: Vitra Center Birsfelden

Viele moderne Bauten mit skulpturalem Anspruch zeigen das Formenvokabular eines belanglosen Dekonstruktivismus. Nicht so das Vitra Center. Hier ist die architektonisch sehr bewegte «Villa» mit ihren Konferenzräumen durch eine gediegene Galerie als Bindeglied mit dem ruhigen, rationalen Büroblock verbunden. Die Anforderungen an Funktionalität und Technik sind trotz der aussergewöhnlichen Form erfüllt. Die Massstäblichkeit des Ortes blieb dabei voll gewahrt.

Auftraggeberschaft:
 Vitra AG, Birsfelden

Architekt: Frank Gehry, USA

1993: Gasthaus Sonne Reigoldswil

Die im positiven Sinn unspektakuläre Renovation, die alle baugeschichtlichen Daten ablesbar macht, kam durch ein ideales Zusammenspiel aller Beteiligter zustande und liess die «Sonne» als für das kulturelle und gesellschaftliche Dorfleben wichtige Wirtschaft vollumfänglich bestehen.

Auftraggeberschaft:
 Michael Degen, Reigoldswil 

Architektin: Verena Näf, Basel

1992: Bahnhofschulhaus Therwil

Das 1899 erbaute Schulhaus wurde in den 1970er-Jahren architektonisch entstellend verändert. Bei der jüngsten Renovation war deshalb die Rekonstruktion jener Bauteile, die den Ursprungsbau einst charakterisierten, der einzig richtige Weg. Die erkennbar vorgenommenen Eingriffe nehmen die ehemalige Struktur in angenehmer Weise wieder auf.

Auftraggeberschaft:
 Einwohnergemeinde Therwil

Architekt: Hans Ruedi Bühler, Bottmingen